Feuerwache Lietzow in Charlottenburg
Die erste behördliche Maßnahme für einen organisierten Feuerschutz in Charlottenburg ist in der Innungsurkunde vom 8. Oktober 1709 festgehalten, darin wörtlich:
" ... daß auch ein jeder Meister zwei lederne Feuereimer und eine Handspritze sich anschaffe
und nicht eher in die Zunft aufgenommen werde, bevor er solche wirklich habe und vorzeigen könne."
1742 folgte ein Beschluß der Gemeindeverwaltung einen ersten „Rats- und Feuerherrn“ zu benennen, dem auch die Sorge für die Feuersicherheit der Stadt Charlottenburg oblag. Wohl nach dem Schloßbrand vom Juni 1746 wurde im Jahre 1747 durch den Magistrat die erste Feuerwehr organisiert.
Brand im Charlottenburger Schlosse zur Regierungszeit Friedrich des Großen
Die Nachricht über diesen nicht ungefährlichen Brand vom 29./30. Juni 1746, der aber glücklicherweise auf seinen Herd beschränkt werden konnte, und damit bald der Vergessenheit anheim gefallen zu sein scheint, finden wir in einem Briefe des Hofmannes und damaligen "Hofchronisten" Freiherrn von Bielfeld, der in recht geschickter und launiger Weise über die Vorgänge in jener Nacht zu plaudern weiß. Es heißt da wie folgt:
Der König hatte die Königinnen (seine Mutter und seine Gemahlin) auf einige Tage nach Charlottenburg geladen und den ganzen Hof vereinigt, so dass wir, mit Inbegriff der Dienerschaft, 280 Personen waren. Jeder Tag sollte ein Fest sein. Am dritten war französisches Theater und abends große Tafel gewesen, nach welcher die junge Königin nach Berlin zurückfuhr und den andern Tag bei guter Zeit wieder in Charlottenburg zu sein versprach. Eine so allgemeine Heiterkeit belebte die Gesellschaft, dass wir Ihre Majestät und ihre Damen in vollem Lachen bis an die Kutschen begleiteten, worauf jeder in sein Zimmer ging. Aber kurz nach zwei Uhr am Morgen erweckte mich der Trompetenstoß der Garde du Corps, deren Hauptwache sich am Eingang des Schlosses befindet. Ich lief ans Fenster; da aber alles still war, glaubte ich die Reveille gehört zu haben und legte mich wieder nieder. Doch beinahe in demselben Augenblick schlug der Prinz Ferdinand heftig an meine Tür mit dem Ruf: Stehen Sie geschwind auf, das Schloß brennt und die Königin-Mutter und meine Schwester Amalia sind in Gefahr. Ich warf meinen Schlafrock über, wir drangen in das Schlafzimmer der Prinzessin, waren ihr beim Ankleiden behilflich und brachten sie in Sicherheit. Im Schloßhofe sahen wir eine tragikomische Szene. Die königliche Frau Mutter wurde von zwei Soldaten in einer Sänfte getragen; auf einer Seite derselben ging der Leutnant Pannewitz, völlig gekleidet, auf der anderen der Baron Pöllnitz in Schlafrock, Pantoffeln und der Nachtmütze. Viele Bedienstete folgten. Jetzt erst betrachtete ich das Schauspiel um mich her, welches dem Auferstehungstage glich. Die Flammen schlugen durch die Schloßfenster, die alles versammelnde Trompete tönte fort, alle Türen öffneten sich, von allen Seiten sah man halbbekleidete Männer und Frauen wie aus der Erde heraufsteigen. Hier erblickte man eine Hofdame im leichtesten Gewande und barfuß, dort einen Kavalier im Schlafrock usw.; kurz, es gibt vielleicht keine sonderbare Zusammenstellung des Anzuges und der Art, ihn anzulegen, die in diesem Augenblick nicht zum Vorschein gekommen wäre. Entsetzen lag auf jedem Gesicht. Jeder schrie nach seinen Leuten, die ängstlich widereinander liefen, um die Habseligkeiten ihrer Herrschaft zu retten. Ich selbst war in großer Verlegenheit; ich befand mich mitten unter den hohen Herrschaften und mußte aus meinem Schnupftuch einen Gürtel zur Befestigung meines Schlafrockes machen, da von meinen Sachen, die meine Leute sämtlich in Sicherheit gebracht hatten, nichts zu erreichen war. Wir brachten endlich die Königin (Königin-Mutter), die Prinzessinnen und Damen in den Saal am äußersten Ende des neuerbauten Schloßflügels, dann liefen wir zum Audienzzimmer der verwitweten Königin, wo das Feuer ausgebrochen war und welches an ihr Schlafzimmer stieß. Die Flammen hatten so um sich gegriffen, dass das ganze Schloß in Gefahr war. Ich rannte zur Kapelle, um zu sehen, ob sie nicht zu retten sei, denn sie ist eine der schönsten in Europa, mit einem Deckengemälde von der Hand eines berühmten Meisters. Ich erreichte auch wirklich meinen Zweck. Auf dem Weg dahin sah ich den König, der ruhig auf der Terrasse spazieren ging. "Es ist ein Unglück", sagte er, "doch werden die Handwerker in Berlin etwas dabei verdienen; wenn nur niemand dabei zu Schaden kommt." Die Stadt Charlottenburg selbst konnte nur schwachen Beistand leisten, doch hatte man in Berlin und Spandau das Feuer gesehen, und da man die ganze königliche Familie in Gefahr glaubte, ließen die Kommandanten beider Städte Lärm schlagen, und bald kam Hilfe von allen Seiten. Die große Allee zwischen Berlin und Charlottenburg wimmelte von Menschen. Der Markgraf Karl kam in Begleitung der Spritzen, und gegen 7 Uhr morgens war das Feuer bewältigt und jeder fing an, sich nach seinen Sachen und einem Frühstück umzusehen. Drei bis vier Zimmer des Schlosses waren ausgebrannt; man schätzte den Schaden auf 25.ooo Taler. Der König befahl Knobelsdorff, alles wieder aufs genaueste, wie vor dem Brande, herstellen zu lassen. Der Hof speiste noch in Charlottenburg zu Mittag, ging aber nach der Tafel auseinander.
Das Schloß in Charlottenburg erfreute sich damals nicht mehr in dem Maße der Gunst des Königs, wie in seinen ersten Regierungsjahren: er bevorzugte jetzt Potsdam und dann dauernd Sanssouci. Doch diente es weiter zur Abhaltung von großen prunkvollen Festlichkeiten. Mit Recht wird man diese Sinnesänderung darin zu suchen haben, dass die landschaftlichen Vorzüge Potsdams es dem Könige angetan hatten, dazu kam die Freude - zumal bei Sanssouci - am Selbstgeschaffenen. Dr. Bogdan Krieger, der Bibliothekar der ehemaligen kaiserlichen Hausbibliothek im Berliner Schlosse, der in seinem jüngst erschienenen schönen Werke: Berlin im Wandel der Zeiten (Berlin-Grunewald, Verlagsanstalt Hermann Klemm) über jene vergangenen Zeiten so trefflich zu berichten weiss, gibt in seinem Buche auf Seite 419 die obige Schilderung Bielfelds von dem Charlottenburger Schloßbrande wieder, der zum Glück, wie wir nun wissen, auf wenige Zimmer beschränkt blieb.*) "Feuer und Wasser", 1924, Nr. 11 mitgeteilt von Prof. Dr. F. Weinitz
Es wurden 8 Spritzenmeister benannt, die einen schwarzen Kittel und einen ledernen Kopfschutz erhielten. Jeder bekam als Lohn für seine nebenberufliche Tätigkeit als verpflichteter Löschhelfer jährlich 2 Taler aus der Charlottenburger Stadtkasse. Weitere Ansätze einer geordneten Hilfeleistung bei entstehender Brandgefahr beruhen auf einer Verordnung der "Königlich Preußischen Churmärkischen Kriegs- und Domänenkammer" vom 25. März 1802, durch welche jeder Bürger beim Ausbruch eines Brandes zu Hand- und Spanndiensten verpflichtet wurde. Die Stadt Charlottenburg zählte 3.500 Einwohner, wurde in 4 Bezirke eingeteilt, denen je ein Viertelsherr vorstand, der in seinem Abschnitt als „Leiter“ auf der Brandstelle fungierte.
Trotz mündlicher und schriftlicher Mahnungen ließ der Branddirektor von Berlin Scabell die Einrichtung einer freiwillige Feuerwehr von der Charlottenburger Turngemeinde mit entsprechend vorgeschlagem Statut auf sich beruhen. Ende 1865 wurde eine neue Richtlinie der Stadtverwaltung von Charlottenburg unterbreitet und so erhielten 1867 die Turner der Stadt Charlottenburg von der Aachen-Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft das neueste Gerät zur Brandbekämpfung – andere Feuerversicherungsgesellschaften folgten mit Geldbeträgen zur Beschaffung weiterer Gerätschaften. So folgte neben den zuvor genannten 8 Spritzenmeistern die erste freiwillige Turnerfeuerwehr, die Männer wurden am 13. Dezember 1868 vom Bürgermeister Bullrich durch Handschlag verpflichtet. 1872 begann die Stadtverwaltung eine „eigene“ Feuerwehr zu organisieren – Einwohnerzahl zwischenzeitlich 20.000 – es wurden 24 Arbeiter der Straßenreinigung verpflichtet.
Die freiwillige Turnerfeuerwehr und die städtische Pflichtfeuerwehr arbeiteten jedoch mehr gegeneinander als zusammen.
| Durch das Zwangspensionierungs-Gesetz der Stadtgemeinde Berlin, das noch in den letzten Tagen des März von den städtischen Körperschaften angenommen wurde, ist am 1. April Branddirektor Bahrdt-Charlottenburg trotz körperlicher und geistiger Frische in den Ruhestand versetzt worden. Dadurch sind innerhalb eines Vierteljahres die Oberbranddirektor- und zwei Branddirektor-Stellen von Groß-Berlin frei geworden. B. gehörte der Feuerwehr fast 40 Jahre an. Er trat im Jahre 1884 als Volontär in die Berliner Feuerwehr ein, nachdem er nach 3jährigem Studium auf der Kgl. Gewerbe-Akademie das Diplom-Examen für Maschinen-Ingenieure abgelegt hatte. Am 1. Juni 1884 wurde er als Brandmeister angestellt und am 1. Sept. 1890 zum Brandinspektor ernannt. Im Jahre 1894 erhielt B. vom Polizei-Präsidenten eine schriftliche "ehrende Anerkennung für hervorragende Leistungen". Als Branddirektor wurde B. am 1. Juni 1904 nach Charlottenburg berufen. Seine Hauptaufgabe bestand hier in der völligen Neuorganisation der Feuerwehr bei den beiden vorhandenen Wachen richtete er den Automobilbetrieb ein und baute eine dritte , mit allen modernen Einrichtungen versehene Automobil-Wache in der Suarez-Straße. Außer der Feuerwehr unterstand ihm die Straßenreinigung und die Müllbeseitigung bis 1911 und bis 1919 auch die städtische Bekleidungskammer. Seit dem 1. November 1922 vertrat er als ältester Branddirektor den beurlaubten Oberbranddirektor Reichel. Bis 1918 war B. Obmann des technischen und Mitglied des Normenausschusses |
|
im R.D.F. sowie auch im P.F.B. Obmann des technischen Ausschusses und durch seine Berichte in den roten Jahrbüchern weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt geworden. Seine reichen Erfahrungen, seine jahrelangen eingehenden Versuche bei der Prüfung von Geräten aller Art und Imprägnierungsmitteln für Gewebe, Holz, Papier usw. hat er durch seine Veröffentlichungen in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Bekannt sind auch seine nach einheitlichen Grundsätzen vorgenommenen Prüfungen aller gebräuchlichen Handfeuerlöscher, durch die dieses Gebiet der Feuerlöschtechnik erst in die richtigen Bahnen gelenkt wurde. Während des Krieges war er Hauptmann d. L. bei einer Luftschiffer-Abteilung in Großenhain. Trotz seiner umfangreichen Arbeiten fand Bahrdt auch noch Zeit, sich als Führer im Zweigverein und in der frw. Sanitäts-Kolonne vom Roten Kreuz Charlottenburg zu betätigen; später wurde er auch Mitglied des Vorstandes vom Provinzialverein vom Roten Kreuz für Berlin und Brandenburg. Die Feuerwehr Groß-Berlins und besonders Charlottenburgs sieht in Branddirektor Bahrdt einen hervorragenden Leiter und eine rastlose Arbeitskraft aus dem ihm liebgewordenen Dienste scheiden. Um so mehr hoffen aber die Feuerwehren Deutschlands noch recht zahlreiche Veröffentlichungen aus dem reichen Schatz seiner Erfahrungen in den Jahresberichten des P.F.B. zu finden. "Feuer und Wasser", 1923, Nr. 5 |
Die Feuerwache Lietzow wurde am 8. Oktober 1889 übergeben. In der Telegrafie war die Mutteruhr der Charlottenburger Einheitszeit eingebaut – alle öffentlichen Uhren, des Rathauses, der Schulen, Krankenhäuser, Kirchen und Straßen wurden von ihr gesteuert und vom Telegrafisten überwacht.
1894 wurde die alte Feuer-Polizei- und Löschordnung von 1845 außer Kraft gesetzt, und es erfolgte eine Neuorganisation der Feuerwehr. Die Berliner Feuerwehr, die gegen entsprechende Bezahlung Löschhilfe leistete, war der Anlass. Bei einer Alarmfahrt nach Charlottenburg war ein Berliner Feuerwehrmann auf einer im Berliner Stadtgebiet liegenden Straße vom Wagen geschleudert worden und hatte sich so schwer verletzt, dass er pensioniert werden musste. Charlottenburg sollte die Pensionslast übernehmen - die Stadtverwaltung weigerte sich, da ja eine Vergütung für die Hilfsleistung vereinbart sei und nicht für pensionierte Feuerwehrmänner. Daraufhin untersagte Berlin seiner Feuerwehr strikt, bei Notfällen auf Charlottenburger Gebiet Hilfe zu leisten.
Als erste Nebenwache wurde 1897 die Charlottenburger Ostwache (Rankestraße) in Dienst gestellt.
Ist auf Hilfe einer Großstadt-Feuerwehr bei Bränden auf dem flachen Lande zu rechnen?
Die Charlottenburger Feuerwehr war bisher nur einmal in der Lage, auf dem Lande Hilfe zu leisten. Am 13. September 1900 war das 86 m lange einstöckige Familienhaus der Königlichen Pulverfabrik in Haselhorst bei Spandau in Brand geraten. Auf telephonisches Ersuchen wurde von Charlottenburg ein Personenwagen und eine Dampfspritze dahin entsendet und mit 2 C-Rohren von der Dampfspritze und 1 C-Rohre von der Handdruckspritze der Königlichen Konservenfabrik in Haselhorst das Feuer gelöscht. *) „Feuer und Wasser“, S. 74 vom 5. März 1910
1901 bewilligte die Stadt zum Bau unterirdischer Fernmeldekabel 300.000,-- Mark – die Arbeiten führte die Firma Siemens & Halske vom Frühjahr bis Mitte Dezember 1903 aus. Am 1. Januar 1904 wurde das komplette Fernmeldesystem in Dienst gestellt.
Die dritte Feuerwache Suarezstraße wurde am 1. Oktober 1907 eingeweiht. Die drei neuen Charlottenburger Löschzüge jeweils bestehend aus einem Personenwagen, einem Bräunertwagen (gebaut in Bitterfeld) und einer mechanischen Leiter waren so bestückt, dass sie sechs Löschzüge nach altem Berliner Muster ersetzten.
Nach Inkrafttreten des Gesetzes vom 27. April 1920 (Großberlin) wurden von der Berliner Stadtverwaltung sämtliche Kräfte der Feuerwehr zu einem einheitlichen Korps zusammengeschlossen. Ab dem 1. April 1921 unterstand die gesamte Feuerwehr nicht mehr dem Polizeipräsidenten von Berlin, sondern der Stadt Berlin. Zum Verantwortlichen für das Feuerlöschwesen in Berlin wurde Stadtrat Ahrens ernannt, der schon in Charlottenburg das gleiche Dezernat leitete.
1921 wurde das Zentralamt der Feuerwehr geschaffen. Nach nochmaliger Umorganisation der Feuerwehr gehörte 1926 die Feuerwache Lützow zum Brandschutzbezirk Charlottenburg 1 der Branddirektion West, deren Leiter Branddirektor Floeter war.
![]() |
Die Wachbesetzung wurde in der Bedienung der Charlottenburger Schleuse unterwiesen. Am Tage gab es dort das Schleusenpersonal – nachts rückten die Feuerwehr-Kollegen aus, um die Feuerlöschboote (1926 bis 1928 angeschafft) durch die Schleuse zu bugsieren. |
29. August 1929
In der Nacht hatten drei Dachstuhlbrände gewütet, so daß
die Mannschaften bemüht waren, Fahrzeuge und Geräte wieder in Ordnung zu
bringen. Bei der Übernahme der Fahrzeuge stellte sich heraus, daß die
Motorspritze zur Werkstatt, die sich zu dieser Zeit auf der Wache Friedrichshain
befand, mußte - jetzt war nur die Kraftleiter alarmbereit. Die Besatzung
stellten Oberfeuerwehrmann Otto Schiffmann und Feuerwehrmann Erich Toppel.
Zwischen 10 und 11 Uhr kam die Feuermeldung "Kurfürstendamm 179 nahe Olivaer
Platz". Der Zug Wilmersdorf , in dessen Ausrückebezirk sich die Einsatzstelle
befand, mußte 2. Alarm gegeben haben, denn die Motorspritze Suarez fuhr
ebenfalls zur Brandstelle. Da die Suarezer Kraftleiter für die
Nachrichten-Zentrale nicht greifbar war, rückte die Leiter Lietzow
bestimmungsmäßig aus. Es brannten der Dachstuhl des Vorderhauses, des
Seitenflügels, eine Mansardenwohnung in ganzer Ausdehnung und ein Teil des
Dachstuhls vom Quergebäude.
Früher fanden die Dachstuhlbrände besonders viel Nahrung, da die Böden
mit Verschlägen, in denen Gerümpel der Mieter aufbewahrt wurde, eingerichtet
waren. Alle Hausböden entrümpelte man erst, als das Luftschutzgesetz im Juni
1935 wirksam wurde.
Die Leiterbesatzung ging im Quergebäude gegen das Feuer mit einem C-Rohr vor -
da jedoch die Verqualmung des Angriffsweges zu stark war
(Filter-Atemschutzmasken) und auch die Hitzeeinwirkung, mußten sie ständig
zurück. Durch ein Treppenfenster des Vorderhauses konnte ein Feuerwehrmann
sehen, dass beim wiederholten Vordringen der Leiterbesatzung eine Stichflamme
auf sie zuschoß. Dies meldete er dem Einsatzleiter, der sofort einen Trupp zur
Hilfe schickte.
Oberbranddirektor Gempp erschien auf der
Brandstelle.
Dem zum Hinterhaus beorderten Rettungs-Trupp bot sich folgender Anblick:
Feuerwehrmann Toppel lag auf dem Rücken und Oberfeuerwehrmann Schiffmann, der
versucht hatte, seinen Kameraden aus dem Feuermeer herauszuholen, lag ohnmächtig
über ihm. Beide wurden mit starken Rauchgasvergiftungserscheinungen und schweren
Verbrennungen ins Achenbach-Krankenhaus gefahren.
Nachdem der Brand gelöscht und die Feuerwehr mit Aufräumungsarbeiten in der
unter dem Brandherd gelegenen Wohnung begann, stürzte die Deckenkonstruktion des
Obergeschoßes auf die Kollegen und begrub diese. Aufgrund des Stichwortes
"Menschenleben in Gefahr" rückten sofort mehrere Löschzüge zur Unfallstelle aus,
um die Kameraden aus den Trümmern zu retten. Den Oberbranddirektor erreichte die
Meldung erst, nachdem er auf der Hauptwache Lindenstraße ankam, so dass er
sofort wieder zurückfuhr, um den Einsatz zu leiten. Etwa 12 Kollegen wurden mit
schwersten Verbrennungen und Verletzungen ins Achenbach-Krankenhaus gebracht.
Brandmeister Pfeiffer, Oberfeuerwehrmann Christel und Feuerwehrmann Klemm
erlagen nach qualvollen Stunden ihren furchtbaren Verletzungen.
Die bisher auf der Feuerwache Lützow verwendeten Nachrichten- und Feuermeldeanlagen wurden zu Beginn der 30er Jahre durch einen Siemens Streifenschreiber ergänzt. Die 1904 gebaute Fernmelderanlage erweiterte man auf 10 Melderschleifen mit 70 öffentlichen und ca. 50 privaten Feuermeldern.
Am 18. Oktober 1937 wurde die Straße Lützow in Alt Lietzow umbenannt. So erfolgte auch eine Umbenennung der Feuerwache von Lützow auf Lietzow. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Feuerwache von einem Stab der Roten Armee als Quartier besetzt und die Feuerwehrfahrzeuge als Beutegut weggeführt. Im Oktober 1945 kamen die in die Umgebung von Neumünster verlagerten Fahrzeuge wieder zurück. Am 28. Juni 1945 löste die Britische Stadtkommandatur die Sowjetische ab.
Im Juni 1948 erfolgte die Währungsreform und die Unterbrechung der Viermächteverwaltung durch Ausscheiden der Sowjets hatte zur Folge, dass ab 30. November 1948 die Stadt offiziell in Ost- und Westberlin gespalten wurde. In Ost-Berlin unterstellte man später die Kollegen der Volkspolizei und in West-Berlin regelte man sämtliche Fragen des Feuerschutzes über das Verbindungsamt mit den westlichen Besatzungsmächten. Dies blieb so bis zum 1. Oktober 1950, wo West-Berlin ein deutsches Land mit eigener Verfassung wurde.
Löschzüge der Berliner Feuerwehr verstärkten zur Zeit der Luftbrücke (im Juni 1948 sperrte die sowjetische Besatzungsmacht alle Zufahrtswege von und nach Westberlin) die unter Militärverwaltung stehenden Flugplatzfeuerwehren. Den Gebäudeschutz auf dem Flughafen Gatow übernahm ein Löschfahrzeug MS 25. Kollegen, die von verschiedenen Wachen dorthin beordert wurden, bildeten die Besatzung. Diese Flugplatzfeuerwehr wurde als 20. Zug der Berliner Feuerwehr eingereiht.
![]() |
Am 1. Oktober 1949 wurde die Motorspritze vom Flugplatz Gatow als Zug 8 auf der Wache Lietzow in Dienst gestellt. (Flughafen Gatow - Luftwaffenmuseum) |
![]() |
1950 wurden fast alle Alarmfahrzeuge mit Funksprechgeräten ausgerüstet. |
1953 wurde die gesamte
Morse-Nachrichtenübermittlung durch Blatt- oder Streifenfernschreiber ersetzt.
Am 6. Februar 1964 wurde eine neue Zentral-Alarmanlage in Betrieb genommen.
Zeitweilig erhielt die Wache auch Tanklöschfahrzeuge und Drehleitern, doch zog man diese nach kurzer Zeit wieder ab. Hauptsächlich fuhr Lietzow nur als Halbzug mit Löschfahrzeug und Unfallwagen zum Einsatz - im Bedarfsfalle erhielt der Zug eine Drehleiter von einer Nachbarwache zur Unterstützung.
Im Jahre 1959 fuhr unser Zug nach Spandau zur Absturzstelle eines Flugzeuges. Der Film der dort gedreht wurde lief unter dem Titel
Quelle:
Jubiläumsschrift "75 Jahre Berufsfeuerwache Lietzow Charlottenburg (1889-1964)" mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung des Herrn Branddirektor F. Polchow bearbeitet von Oberfeuerwehrmann Volkmar Webner